Schachverein  Freital e.V. 
105 Jahre Schachgeschichte im Plauenschen Grund und der Freitaler Region

Partie Heinz Gappel


Kommentar von Heinz Gappel
  

Sturzel – Fatigue       playchess.com 2016

 Diese interessante Kurzpartie spielte ich im Zeitmodus 5min + 5sek. Mein Schachpartner Fatigue hatte hier eine 1800 Wertzahl im Blitz, also ein durchaus ernstzunehmender Gegner.

 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4

Wenn ich es kann, spiele ich in schnellen Partien gern aggressiv. Alternativ geht mit dieser Einstellung hier vielleicht noch Schottisch 3.d4

3....Lc5 4.c3

Italienisch – Möller-Angriff…

In den Theoriebüchern als totanalysiert und mit einfachem schwarzen Ausgleich, als für Weiß nicht empfehlenswert, beschrieben. Nun auf einem Niveau Meisterspieler mag das wohl zutreffen, aber für alle Normalsterblichen…

Was spricht also dafür, die Dinge trotzdem so zu versuchen?

Grundlegend sollte Weiß ein guter Taktiker sein und sich ernsthaft mit einigen schwierigen Stellungen auskennen. Vielfach reicht oft schon ein schlechter Zug und die Dinge sind nicht mehr zu reparieren.

Die meisten Varianten enden mit Vorteil oder gar Gewinn für Weiß. Selbst bei bestem schwarzen Spiel besitzt Weiß Initiative für einen Minusbauern. Die Stellung ist hier immer noch unklar und sicher nicht einfach zu verteidigen für Schwarz.

In schnellen Partien liegt mein Schnitt bei 70%... ich denke die Geschichte ist auf Amateurniveau mit dem nötigen Mut sehr wohl spielbar.

Alternativ für "Verrückte" geht hier noch 4.b4 Evansgambit oder 4.d4 Max-Lange-Gambit

mit ebenfalls kompliziertem Spiel. Die ruhigen Italienisch-Varianten gehen über 4.oder 5.d3

4....Sf6 5.d4 exd4 6.cxd4 Lb4+

Die Hauptvariante und wohl auch das Beste. 6....Lb6 wurde durch Euwe in einer Partie gegen Jutte 1927 mit 7.d5 zerlegt.

7.Sc3!?

7.Ld2 führt zum Ausgleich und zu deutlich ruhigeren Positionen. Das ist nichts für mich J

7....Sxe4

Alle anderen Abzweigungen führen zu Vorteil für Weiß. Man sehe…

A: 7....d5 8.exd5 +=  Steinitz – Bardeleben 1895

B: 7....0-0 8.Lg5 h6 9.Lh4 g5? 10.Sxg5! +=

C: 7....Lxc3 8.bxc3 Sxe4 9.d5! +=

8.0-0 Lxc3

Schwarz ist auf Augenhöhe! Alternativen sind 8....0-0 9.d5 += , 8....d5 9.Sxd5+- oder 8....Sxc3 9.bxc3 Lxc3 10.La3! +-

An dieser Stelle scheitern schon die meisten Spieler. Am Brett kann man das alles schon kaum noch finden.

9.d5!

Nur so, alles andere ist schlechter!

9....Se5

Die Alternative ist Lf6 wie in der Partie Barczay – Portisch 1969

10.Te1 Se7 11.Txe4 d6 12.Lg5 Lxg5 13.Sxg5 h6! 14.Lb5+ Ld7 15.De2 Lxb5! 16.Dxb5+ Dd7 17.De2 Kf8! 18.Sxf7?  und später 0 – 1

10.bxc3 Sxc4 11.Dd4 Scd6?

Es erscheint logisch, dass Schwarz seine Mehrfigur behalten möchte. Richtig war f5 und nach 12.Dxc4 d6 13.Sd4 ist die Stellung ausgeglichen. Auch 11....0-0 war schon da.

12.Dxg7 Df6 13.Dxf6 Sxf6 14.Te1+

Trotz des Damentauschs ist die Situation alles andere als einfach für Schwarz. Kd8 scheitert jetzt an Lg5 und nach 14....Sfe4 15.Sd2 f5 16.f3 bekommt Weiß die Figur in besserer Stellung zurück. So entscheidet sich der Schwarze für den dritten Weg und …

 14....Kf8? 15.Lh6+ Kg8

Was für eine Position! Der König, die Türme und der Läufer sind quasi bewegungslos…

Im kritischen Sektor kämpfen zwei schwarze Springer bald gegen alle weißen Steine, das kann nicht gut gehen.

16.Te5!

Droht einmal ganz einfach matt!

16....Sde4 17.Sg5 ( Sd2!) Sxf2?!

Noch ein kleiner Trick. Natürlich jetzt nicht Kxf2!

Felix schlug beim Nachspielen 17....Sc5!?  vor, was interessant ist und die Idee Se6 hat, aber leider auch nicht mehr reicht z.B.18.Te7! d6 19.Txf7 + - Das muss man aber erst finden!

Auch 17....d6 verliert. Wie sollte Weiß hier fortsetzen?

18.Tae1

mit seinem ersten Zug entscheidet der Turm die Partie…Schwarz gab auf

Eine schöne kleine Geschichte!

1-0